Von einem Gedanken zum Verein

Wie alles angefangen hat.....

Wie auch schon die Jahre zuvor brüteten im Frühjahr 2018 Stare im Dachfirst unserer Mietwohnung. Am 07.05.2018 fand ich zwei der Jungen auf unserer Terrasse. Sie waren etwas ausgekühlt aber noch am Leben. Aber was  sollten wir mit Ihnen machen?  Ins Nest zurücksetzen war nicht möglich.

Über Karsten Peterlein gelang es uns, die beiden in der Wildvogelhilfe Leipzig unterzubringen, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Kapazitätsgrenze befand.  Aber die beiden waren nicht allein im Nest. Zwei Tage später hörte Kathleen Piepslaute hinter der Holzverkleidung der Terrasse. Hinter der Verkleidung fand sie noch vier junge Stare. Einer war bereits tot.

Nach einem erneuten Anruf bei der Wildvogelhilfe Leipzig war klar, dass man die drei Stare dort nicht mehr aufnehmen kann. Was also tun? Die Hilflosigkeit, die wir an diesem Punkt fühlten kann wohl jeder nachvollziehen, der schon mal Tier gefunden hat und Hilfe suchte. 

Eines war uns beiden schnell klar....einfach sterben lassen konnten wir sie nicht. Also holten wir uns Rat bei Karsten Peterkein und beschlossen zu versuchen die drei selbst aufzuziehen. 

Aus dieser Erfahrung heraus und durch den nun engeren Kontakt zur Wildvogelhilfe Leipzig erkannten wir, dass es insbesondere in unserem Bereich keine organisierte Hilfe für Wildvögel gibt. Behörden fühlen sich nicht zuständig und private Hilfsangebote gibt es nicht. Daher haben wir beschlossen das zu ändern und boten als  private "Wildvogelhilfe Saalekreis" unsere Hilfe an.

Die nötigen Grundkenntnisse zur Pflege der Tiere wurden uns durch Karsten vermittelt, der inzwischen seit über zwanzig Jahren Vögel aufnimmt und pflegt.  Mit ihm als Ansprechpartner war es überhaupt erst möglich dieses Abenteuer zu starten.


Erste Erfahrungen und Erkenntnisse

Als Ornithologe dachte ich bisher, dass ich mich gut in der Vogelwelt auskenne. Schnell musste ich jedoch erkennen, dass mein Wissen über Vögel noch große Lücken hat. Diese galt es nun nach und nach zu schließen.  Und so nutzte ich die nächste Möglichkeit, um bei Karsten ein kleines Praktikum zu absolvieren. Er stattete uns mit einem kleinen Startpaket aus und sicherte seine Unterstützung zu.  

Jetzt konnte es eigentlich losgehen. Es gab nur ein kleines Problem.....abgesehen von ein paar Freunden wusste niemand von unserem Vorhaben.

Also nahmen wir zuerst mit der Stelle Kontakt auf, die für die meisten Menschen oft die letzte Hoffnung ist - die Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst im südlichen Saalekreis. Hier war man sehr dankbar für dieses Angebot und machte auch schnell davon Gebrauch. Eine weitere Plattform zur Vermittlung von Pflegestellen ist die Gruppe "Wildvogelhilfe - Notfälle", welche eine der wenigen wirklich sinnvollen Anwendungen auf Facebook ist. Hier kann sich jeder melden, der einen Vogel gefunden hat und Hilfe benötigt. Er wird dann durch das Administratorenteam an Pflegestellen in der Nähe vermittelt. Auch auf diesem Weg erreichten uns in den folgenden Wochen und Monaten zahlreiche Notrufe.

Über den Sommer nahmen wir schon über 40 Vögel auf. Trotz intensiver Bemühungen mussten wir aber einsehen, dass wir längst nicht jeden Vogel retten können. Auch hatten wir den Aufwand für die Pflege anfangs unterschätzt. Denn jeder der Schützlinge möchte ordentlich und sauber untergebracht sein. Außerdem muss auch für regelmäßiges Futter gesorgt sein. Und das kostet Geld. Viel Geld!

Mit fast 1.000 Euro, die uns der erste Sommer als Pflegestelle gekostet hat, stand eines schnell fest....ein weiteres Jahr können wir das nicht schaffen. Doch wie stellt man es an?



Warum ein Verein?

Zuerst überlegten wir privat Spenden zu sammeln und darüber zu versuchen, die Kosten zu decken. Das ist auch für Privatpersonen durchaus möglich. Allerdings brächte das einige Probleme mit sich. Angefangen von der Besteuerung der als zusätzliches Einkommen zählenden Spenden, über die Pflicht der Inanspruchnahme eines Steuerberaters bis zu dem Umstand, dass solche Spenden steuerlich nicht abziehbar sind.  Damit war dieses Vorhaben schnell vom Tisch. 

Karsten Peterlein schlug uns vor, die Wildvogelhilfe an einen bestehenden Verein anzugliedern. Bei der Wildvogelhilfe Leipzig funktioniert das seit vielen Jahren unkompliziert und wäre durchaus eine Möglichkeit für unsere Initiative. Allerdings war auch das nicht so leicht, wie es sich anhörte und sorgte für Diskussionen im ausgewählten Verein. 

Nach einem Vereinsabend im September 2018 wurde ich dann durch drei Mitglieder angesprochen, die unsere Arbeit unterstützen wollen. Sie fragten mich, ob ich schon mal in Erwägung gezogen hätte, einen eigenen Verein zu gründen. Das hatten wir bis dahin nicht getan, denn eine Vereinsgründung bedeutet auch viel zusätzliche Arbeit.


Dennoch dachten wir darüber nach. Ich begann mich in die Thematik des Vereinsrechts und der Vereinsgründung einzulesen. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile und mehreren Gesprächen mit Kathleen erkannten wir beide, dass die Gründung eines eigenen Vereins die beste Lösung für unser Problem wäre. Die Entscheidung fiel dann schnell....Wir gründen einen Verein!


Ein Verein entsteht

Die Vorraussetzungen für eine Vereinsgründung sind überschaubar und unkompliziert. Aus den Reihen unserer Untersützer waren bald fünf Interessenten gefunden, so dass wir die geforderten sieben Gründungsmitglieder schnell zusammen hatten. Nun  musste eine Satzung geschrieben werden. Dies erwies sich als deutlich komplizierter, als ich anfangs dachte. Denn die Satzung musste den Anforderungen des Finanzamtes entsprechen, um eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit zu bekommen. Und sie musste in Inhalt und Formulierung auch den Vorstellungen der künftigen Mitglieder entsprechen. Doch nach zahlreichen Änderungen und Ergänzungen war es vollbracht. 

Am 30.10.2018 wurde die Satzung offiziell beschlossen und der Verein "Wildvogelhilfe Saalekreis e.V." gegründet. 


Weiter Informationen rund um den Verein findest du auf den folgenden Seiten.

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